„Living Voices“ aus Veringenstadt waren zu Gast im Gefängnis

Mitte Februar fand in der Anstaltskirche der JVA Freiburg erfreulicherweise wieder einmal ein Konzert statt. Diesmal traten „Living Voices“ aus Veringenstadt auf.

„Living Voices“ in der Gefängniskirche

Der aus rund dreißig Mitgliedern bestehende Gospelchor„Living Voices“, (https://gospelchor.weebly.com) mehrheitlich Frauen, und unterstützt von Schlagzeug, Bass sowie Piano bot einen Querschnitt seines Repertoires. Nun sind Konzerte in einem Gefängnis seltene Ereignisse für die Insassen ebenso, wie für die Auftretenden. So brauchte es ein bisschen bis der Funke vom Ensemble zum Publikum von rund fünfzig Insassen übersprang. Aber als es dann soweit war wurde mitgeklatscht und jeder Song mit Applaus belohnt.

Wer den Auftritt sehen wollte musste freilich erst an dem evangelischen Gottesdienst teilnehmen denn das eigentlich als eigenständiges Konzert für 13 Uhr geplante Konzert wurde erst vorverlegt auf den Vormittag und teilweise in die Messe integriert, dort unterstützte der Chor die sonst eher spärlich klingenden Stimmen bei den Kirchenliedern nachdrücklich. ln direktem Anschluss an den Gottesdienst des evangelischen Anstaltspfarrers Philipp, präsentierte der Gospelchor aus dem nördlich vom Bodensee gelegenen Veringenstadt, mit einer enormen Lebendigkeit und Frische insgesamt 14 Songs aus seinem Programm. Zu hören waren neben Gospelstücken unter anderem aber auch „Hold me now“ oder„Circle of life“ also populäre Titel, die keine reine Gospels sind. Und wo noch anfänglich gar nicht oder nur schüchtern seitens der Gefangenen mit geklatscht wurde, brach dann doch bald das Eis und das gefangene Publikum tat seinerseits sein bestes um im Takt mit zu klatschen.

Gerade der Gospel lebt von der Kommunikation mit dem Publikum und der Rückkopplung von diesem. Schön war, dass viele der Ensemblemitglieder*innen jeweils auch einen eigenen Solopart in den jeweiligen Stücken übernahmen. Von zarten Stimmen, bis zur raumfüllenden, wuchtigen Gospelstimme war alles dabei.

Nach dem letzen Stück, hier war das Publikum auch gefordert mitzusingen, waren manche im Chor sichtlich gerührt und die stehenden Ovationen waren lebendiger Beleg dafür, dass das Gospelkonzert sehr gut aufgenommen wurde und auf viel Resonanz stieß.

Konzerte im Knast

Gefangene Menschen können, wen wird es überraschen, nicht am normalen kulturellen Leben teilnehmen. Sie sind darauf angewiesen, dass Menschen sich die Mühe und auf den Weg machen um in die Haftanstalt zu kommén. „Living Voices“ feierte 2018 sein 25-jähriges Jubiläum und hatte die Idee einmal etwas nicht Alltägliches zu machen, so kam die Idee eines Auftritts in einer Justizvollzugsanstalt auf. Nun ist gerade der Gospel eng mit Religiosität und Hoffnung verknüpft. Aus dem Spiritual der Sklaven in Amerika entstanden, bringt er eine Körperlichkeit, eine Rhythmik mit, die Menschen auf seine ganz eigene Weise anspricht, bewegt, mitreißt. Auch jene, die – wie ich selbst -nicht religiös sind, können sich auf diese Musik einlassen, denn die Idee der Hoffnung (diese liebenswerte Närrin) bewegt jeden Menschen, egal wohin das Leben ihn/sie führte.

Ein solches Konzert an den Besuch des Gottesdienstes zu binden mag organisatorischen Belangen der Haftanstalt geschuldet sein, war jedoch ein kleiner Wermutstropfen. Wer den Gottesdienst nicht besuchen wollte, der hatte nämlich keine Chance den Auftritt zu erleben. Jedenfalls sind Konzerte wie dieses immer ein Versuch, die Mauern zwischen „drinnen“ und „draußen“ für kurze Zeit ein wenig transparenter zu machen.

Thomas Meyer-Falk, z.Zt. Justizvollzugsanstalt (SV),
Hermann-Herder-Str. 8, 79104 Freiburg

https://freedomforthomas.wordpress.com
http://www.freedom-for-thomas.de

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