Berlinerin in Todeszelle – bald frei?

Seit 22 Jahren sitzt Debbie in Arizona (USA) im Todestrakt, stets davon bedroht, hingerichtet zu werden. Jetzt entschied ein Bundesberufungsgericht, dass ihr entweder erneut der Prozess gemacht werden oder sie binnen 30 Tagen auf freien Fuß gesetzt werden müsse.

Die Vorgeschichte

Vor 48 Jahren wurde Debra Jean Milke in Berlin geboren. Einige wenige Erinnerungen an die frühe Kindheit in Berlin hat sie noch, da jedoch die Mutter mit ihr in die USA auswanderte und Debbie, wie alle, die sie kennen, sie nennen, dort die US Staatsbürgerschaft erhielt, gilt sie formal als US-Amerikanerin.
Im Dezember 1989, Deutschland war gerade im Freudentaumel über den Fall der Mauer, spielte sich im fernen Arizona ein Drama ab. Debbies damaliger Lebenspartner, James Styers gab vor, er wolle mit ihrem vierjährig Sohn zum Einkaufen fahren. Stattdessen jedoch fuhr Styers zusammen mit einem Kumpanen in die Wüste, schoss dem Jungen drei Mal in den Kopf und wollte so die Lebensversicherung für das Kind kassieren.
Für eine Versicherung in Höhe von 50.000 Dollar musste das Kind sterben.

Die Anklage gegen Debbie

Der seinerzeit ermittelnde Polizeibeamte, Armando Saldate behauptete, Debbie hätte ihm, als sie einen kurzen Moment mit ihm alleine im Sheriffs-Büro saß, gestanden, sich mit ihrem Freund und dessen Kollegen dazu verschworen zu haben, das Kind zu ermorden, um an die Lebensversicherung zu gelangen. Obwohl schon 1990 in Arizona polizeiliche Vernehmungen verpflichtend auf Video aufzuzeichnen waren, gibt es keine solche Aufnahme.
Der Sheriff galt bereits 1990 als eigentlich wenig Vertrauen erweckend, er hatte vor Gerichten gelogen, Verhaftete rechtswidrig gefesselt, aber all das verschwiegen Polizei und Staatsanwaltschaft der Jury. Basierend auf der Aussage Saldates, Debbie habe ihm den Mordplan gestanden, wurde sie 1990 zum Tode verurteilt.

Der Kampf um Gerechtigkeit

Stets beteuerte Debbie, sie sei unschuldig; nach ihrem ermordeten Sohn sei sie das zweite Opfer dieses grausamen Verbrechens. In den Folgejahren, die sie in der Isolationshaft der Todeszelle zubrachte, fand sie Anwälte, die an ihre Unschuld glaubten und vor Gericht den Kampf aufnahmen. Zwischenzeitlich wurde der Polizist Saldate aus dem Dienst entfernt, er hatte es in anderen Strafsachen wohl auch aus Sicht der Staatsanwaltschaft „zu toll“ getrieben, zu oft gelogen, um Verurteilungen zu erreichen. Stets schwebte über allen juristischen Bemühungen das Damoklesschwert der Hinrichtung; und tatsächlich, eines Tages kam Sanitätspersonal in Debbies Zelle. Man wollte ihre Venen untersuchen, dort wo dann die Nadeln für die Giftspritze gesetzt werden
sollten.

War anfangs das Verhältnis zur Mutter, die in Baden-Württemberg lebt, angespannt, auch weil sie erst an Debbies Unschuld zweifelte, besserte sich die Beziehung zusehends und die Mutter versuchte in Deutschland Menschen für den Fall ihrer Tochter zu interessieren. Offizielle Stellen erteilten eine Absage, da Debbie, trotzdem sie Tochter einer deutschen
Staatsbürgerin ist und in Berlin geboren worden war, US-Bürgerin sei.
Allerdings gab es einige Prominente, darunter Schauspielerin Uschi Glas und auch der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker, die sich für Debbie einsetzten.
In den letzten Jahren gab es dann auch diverse Radio-Features und Fernsehberichte über Debbie.

Debbies Wünsche

Debbie wünscht sich, wie sie mir schrieb, nichts sehnlicher nach einer'Freilassung als die USA sobald wie möglich zu verlassen; gerne würde sie nach Deutschland kommen, in das Land ihrer frühesten Kindheitserinnerungen. Den Schnee genießen, die Berge sehen.
Um den alltäglichen Wahnsinn zu überleben, musste Debbie in den letzten Jahren Psychopharmaka nehmen. Sie liest viel, hört Radio und schaut fern. Stets isoliert von ihren Mitgefangenen.

Das Urteil

Nach einer Anhörung der Anwälte vor dem Bundesberufungsgericht schon 2011 sollte es noch bis März 2013 dauern, bis das Gericht dem Justizsystem in Arizona eklatantes Fehlverhalten vorwarf. Die Staatsanwaltschaft habe es rechtsfehlerhaft unterlassen, die Jury 1990 über den zweifelhaften Ruf des Sheriffs zu informieren. Das Gericht kam
zudem zu dem Schluss, dass selbst der Freund von Debbie sie niemals beschuldigt habe, an dem Mordkomplott beteiligt gewesen zu sein. Es gab nur die dürre Aussage des von Ehrgeiz zerfressenen Polizisten.

Entweder, so das Gericht, müsse man Debbie erneut anklagen, ihr also einen neuen Prozess gewähren, oder aber sie binnen 30 auf freien Fuß setzen.

Es scheint, als würde der nun schon über 23 Jahre dauernde Alptraum endlich zu Ende gehen und Debbie sich ihre Wünsche bald erfüllen können.

Weitere Links zum Fall von Debbie:
http://debbiemilke.com/
http://www.youtube.com/user/DebraMilke
en.wikipedia.org/wiki/Debra_Milke
http://www.todesstrafe-usa.ch/debra-jean-milke.html

Thomas Meyer-Falk, c/o JVA, Schönbornstr. 32, D – 76646 Bruchsal
http://www.freedom-for-thomas.de
https://freedomforthomas.wordpress.com

 

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